Referent
Theo Steiner
Titel
Heiliges Wissen – Die Lehre vom Intelligent Design
Ort und Zeit
Di, 17. Jun 2008
19:00 Uhr, Aula der Merz Akademie
Ringvorlesungsreihe
Ästhetik des Wissens
Studienrichtung
Theorie

Heiliges Wissen – Die Lehre vom Intelligent Design

Im objektivistischen Duktus der modernen Naturwissenschaft proklamiert diese Bewegung (ID), es gebe “überwältigende Evidenz“ für die Existenz Gottes, etwa “molekulare Maschinen“, die nur durch einen vorgängigen Entwurf zustande gekommen sein könnten. Dadurch wird die Religion von der subjektiven, spirituellen Erfahrung entkoppelt und fügt sich scheinbar dem modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal mit seiner “mechanischen Objektivität“ (Daston/Galison). In kritischen sozial- und geisteswissenschaftlichen Analysen erscheint die Lehre vom Intelligent Design hingegen als Schriftgläubigkeit vormoderner Prägung, als Traditionalismus und Ordnungsdenken. Tatsächlich zeigt sich die antimodernistische Ausrichtung der ID-Bewegung nicht zuletzt an dem impliziten Prinzip der Heiligkeit des Lebens, welches gentechnische Manipulation ausschließt. Wie aber erklärt sich die Kombination moderner und vormoderner Elemente in der Lehre vom Intelligent Design? Theo Steiner untersucht in seinem Vortrag, wie dieses Modell den Körper im doppelten Sinn als Fetisch konstruiert – als empirische Evidenz und als heilige Gabe.

Theo Steiner studierte Philosophie bei Rudolf Haller und Elisabeth List an der Universität Graz, und lebt als freier Dozent und Autor in Heidelberg. In den neunziger Jahren arbeitete er als Kurator an der Kunsthalle Wien (Notfalls leben wir auch ohne Herz). Es folgten erste Lehraufträge an der Universität für Angewandte Kunst Wien und Symposien (Kunst in der Ereignisgesellschaft; Genpool; Barbaren). Seit 2006 lehrt Theo Steiner am Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft der Universität Karlsruhe Wissenschaftstheorie und Kunsttheorie. An der International University Bruchsal unterrichtet er Angewandte Ethik (Business & IT Ethics). Zuletzt veröffentlichte er “Duchamps Experiment. Über Wissenschaft und Kunst”, München: Wilhelm-Fink-Verlag, 2006.

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