Symposium
Semester
Wintersemester 2012/13

– anderes wissen –

Die Merz Akademie, die Akademie Schloss Solitude, die Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart, der Württembergische Kunstverein sowie das Institut für Auslandsbeziehungen haben unterstützt vom Kreativitäts- und Innovationsring des Landes Baden-Württemberg einen intensiven Austausch zu Fragen künstlerischer Forschung geführt und ihre Überlegungen in die Konzeption und Durchführung eines Symposion unter dem Titel – anderes wissen – münden lassen. In diesem Symposion wurden die Möglichkeiten neuer, künstlerischer Wissensformen sowie ihre gesellschaftliche Funktion und Wirksamkeit von verschiedenen Künstlern und Wissenschaftlern vorgestellt und diskutiert.

Unter künstlerischer Forschung wird heute eine Wissensproduktion verstanden, in der sowohl die Erkenntnispotentiale der Künste als auch die ästhetischen Bedingungen des Denkens Berücksichtigung finden. Das Kooperationsprojekt zielte vor allem darauf, die Eigenständigkeit einer solchen kunstbasierten Forschung und ihre spezifische Differenz zu wissenschaftlicher Forschung herauszuarbeiten, um Wissensbildungsprozesse im Medium von Kunst und Gestaltung voranzutreiben, sie epistemologisch zu beschreiben, ihre ontologischen Implikationen zu bedenken und ihren Stellenwert in der heutigen und künftigen Gesellschaft zu konkretisieren. Programmatisch zielte das Kooperationsprojekt darauf, die Besonderheit künstlerischer Forschung und ihrer gesellschaftlichen Virulenz zu konturieren.

Die recherchebasierte Kunst kann in ihren Anfängen bis in die 1960er Jahren zurückverfolgt werden und hat sich zu einem Begriff entwickelt, der mit der avanciertesten Kunstpraxis in Übereinstimmung steht. Zugleich werfen die Verflechtungen von Kunst und Forschung eine Reihe von Fragen auf, die derzeit vor allem im hochschulpolitischen Kontext einer adäquaten ästhetisch-künstlerischen Bildung kontrovers diskutiert werden. Die Relevanz der neuen, in den Künsten erprobten, Wissensformen wird mit dieser Fokussierung auf ihre akademische Anerkennung allerdings allzu sehr eingeschränkt. Das Symposion hat deshalb künstlerische Wissensformen als eine Herausforderung der heutigen Wissensgesellschaft, vor allem der Wissenschaften und ihres Anspruchs auf valide Erkenntnisgewinnung fokussiert. Es folgte der Annahme, dass die Rolle der Künste in der heutigen Wissensgesellschaft neu zu bestimmen ist, und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gesellschaftliche Reichweite der Wissenskünste zu eruieren. Denn die Wissensbildung in den Künsten tritt nicht nur mit dem Anspruch einer impliziten Wissenschaftskritik auf, sie zielt auch auf soziale Wirksamkeit ab. Sie stellt eine unmittelbare Öffentlichkeit her, will in die lebensweltlichen Routinen intervenieren und ist oftmals mit dem Anliegen verbunden, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verändern. Die praxisbasierte Forschung der Kunst beabsichtigt weniger eine Ästhetisierung des Wissens als vielmehr neue Formen der Wissensproduktion, die gegenüber dem etablierten Wissen eine Art Gegenwissen zu artikulieren vermögen. Sie bezieht dabei sowohl andere Verfahren der Erkenntnisgewinnung als auch neue Formen der Darstellung und Vermittlung ein.

Zentrale Fragen, die auf dem Symposion behandelt wurden, lauteten: Welche Chancen hält also die Neubestimmung der Grenzverläufe zwischen Kunst und Forschung bereit? Welche epistemologischen und ontologischen Konsequenzen ergeben sich aus einem erst noch zu bestimmenden Kunstwissen? Wie können die Künste zu der Neuformierung heutiger Wissenskulturen beitragen? Welche interkulturelle Reichweite haben wissensbasierte Kunstformen? Wie wirkt sich das Wissen der Künste gesellschaftlich aus? Welchen Begriff von Gestaltung kann man im Hinblick auf die soziale, politische, kulturelle und interkulturelle Relevanz des künstlerischen Wissens formulieren?

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