Referent
Eckardt Lindner
Titel
Wüste und Gewebe – Zu Deleuze’ Philosophie des Raumes
Ort und Zeit
Di, 17. Jan 2017
19:30 Uhr, Merz Akademie, Aula
Symposium
Master-Symposium: The Grid and the Beast

Wüste und Gewebe – Zu Deleuze’ Philosophie des Raumes

Von der Strategie des israelischen Militärs bis hin zur New Yorker Skyline hat Deleuze’ Philosophie des Raumes bleibende Spuren hinterlassen. Seine Radikalisierung des transzendentalphilosophischen Raumverständisses Kants – welcher selbst schon in sich Leibniz’ Relationalität des Raums und Newtons Realität desselben vereinte – fügt ihm eine genetische Dimension hinzu. Anstatt ein Gefäß oder eine Ansammlung von Dingen zu sein, ist der Raum für Deleuze die untrennbare Dynamik zwischen dem Feld aus Intensitäten, welches Körper konstituiert und jenen extensiven Körpern, die wiederum die Mannigfaltigkeit des Feldes hervorbringen.
In Tausend Plateaus spielen Deleuze und Guattari diesen Gedanken in unzähligen räumlichen Variationen durch, als Dialektik zwischen dem Molekularen und Molaren, dem Modell des Rhizoms und dem Baums, dem Minoritären und Majoritären usw. Mit der Linie, die Deleuze und Guattari im Kapitel Das Glatte und das Gekerbte zwischen so diversen Gebieten wie der Musik, der Mathematik oder der Nautik ziehen, illustrieren sie diesen Gedanken, indem sie zwei Perspektiven des Raumes nachzeichnen - den homogenen gekerbten und den heterogenen glatten Raum –, die in ihrer Dialektik die Struktur des Raumes konstituieren. D/G befragen die vermeintlich gegebene Homogenität des Raumes auf ihre Entstehung und decken dabei die materiellen, sozialen und politschen Machtgefälle auf, die diese erst ermöglichen. Diese Kerbungen des Raumes aufzudecken, macht es möglich, ihn erneut zu glätten und andere Räume zu denken und hervorzubringen. Räume, die der euklidischen Geometrie entfliehen – Fraktale, Riemannsche Räume, Phasenräume etc. - und neue Konzepte und Philosophien fordern.

Der Vortrag wird in diese Radikalisierung des transzendentalen Ansatzes zum Raum einführen, an einigen Linien des glatten und gekerbten Raumes diesen Gedanken veranschaulichen, um am Ende einige Konsequenzen und Möglichkeiten für das Gebiet des Digitalen zu entwickeln.

Am Mittwoch, den 18. Januar, findet ab 9:30 Uhr ein Workshop mit Eckardt Lindner, Prof. Dr. David Quigley und Prof. Joost Bottema statt.

Eckardt Lindner unterrichtet Philosophie an der Universität Wien.
 

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