Referent
Marie-Luise Angerer
Titel
Weniger denken, mehr fühlen – Zur alten/neuen Dichotomie von Sprache und Affekt
Ort und Zeit
Di, 24. Jun 2008
19:00 Uhr, Aula der Merz Akademie
Ringvorlesungsreihe
Ästhetik des Wissens
Studienrichtung
Theorie

Weniger denken, mehr fühlen – Zur alten/neuen Dichotomie von Sprache und Affekt

Olafur Eliasson hat kürzlich mitgeholfen, die Gesellschaft für Neuro-Ästhetik in Berlin mit aus der Taufe zu heben. Eliasson steht für einen neuen/alten Künstlertypus, der nicht mehr im Atelier, sondern im Labor produziert. Eine Produktion betreibt, die man nicht an die Wand hängt, sondern die die Natur nachbildet, überholt, einholt. Für Bruno Latour ist Eliasson der Künstler, der an die Wahrnehmungs-Experimente des 19. Jahrhunderts anschließt, um die heutigen Bedingungen des Überlebens zu erforschen. Man mag darüber streiten, ob das "Weather Project" unser Überleben erforscht, Tatsache ist, dass Projekte wie die Sonne Eliassons viele wieder "glauben machen". So meinte Friedrich Kittler im Kunstforum "Denken 3000": "Peter Weibel hat mich von Eliasson überzeugt. Das fanden wir einfach hinreißend. (...) Die sollen heilig bleiben, die Bilder." (S. 113/111) "Leg Dich hin, und sei still!" wie ein Journalist die Glaubensgemeinde in der "Tate" beim Betrachten der Sonne beschrieben hat. "Alles bleibt gut" – lautet das neue-alte Motto von Hirnforschern im Verbund mit der Kunst. Kunst dient dabei zur Sinnproduktion, die den Riss zwischen Subjekt und Welt zu schließen imstande ist. Nicht kritische Reflexion, sondern Kitt und Kuscheln.

Marie-Luise Angerer (*1958 in Bregenz/Österreich) studierte Publizistik und Kommunikationsforschung, Kunstgeschichte, Romanistik und Philosophie an der Universität Wien. Sie promovierte 1983 am Institut für Publizistik und Kommunikation der Universität Wien und habilitierte 1996 zum Thema "Medienkörper: Zur Repräsentation, Produktion und Rezeption von geschlechtlichen Identitäten in den Medien" an der Universität Salzburg. Es folgten Gastprofessuren an der Hochschule der Kuenste, Berlin (Visuelle Kommunikation) und am Institut für Film- und Fernsehwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum. Des weiteren unterrichtete sie am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, an der Central European University, Budapest sowie der Hochschule fuer Gestaltung Zuerich. Von 2000 bis 2006 war Marie-Luise Angerer Prorektorin und seit 2007 Rektorin an der Kunsthochschule für Medien Köln. Sie unternahm zahlreiche Forschungsaufenthalte in Australien, Kanada und den USA und veröffentlichte unzählige Publikationen im Bereich der neuen und "alten" Medientechnologien sowie in feministischer Theorie.

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