TEACH-IN

TEACH-IN
Diskursreihe zum Kunst- und Gestaltungsstudium
Nr. 1, herausgegeben von Michael Dreyer, April 2018

Für Akademien mit dem Anspruch der Einbindung von Theorie und Research in die (und als) künstlerisch-gestalterische Praxis hat sich das Lernziel der „richtigen“ Reihenfolge von Denken, Planen und Ausführen längst überlebt. Und mit der Hochschulreform ist auch das Steinbergsche Motiv des Misslingens, Hinbiegens und Scheiterns im Grunde hinfällig geworden. Es ist einfach kompliziert(er) mit der nicht zuletzt vom Subjekt her kommenden „Produktion“. Nichtsdestotrotz wird im Grundton der hinlänglich bekannten Debatten zur Akademie weiterhin über mangelnden Raum für Wissensbildung geklagt. Andere monieren, die Praxis komme zu kurz. Es werden Schutzräume gefordert, in denen frei experimentiert werden kann. Schließlich wird angeführt, das „Denken“ an Kunst- und Gestaltungsakademien sei tendenziell zu dünn, um Theorie zu sein, aber andererseits zu heilig, um aus dem Curriculum gestrichen zu werden.

Die Reihe TEACH-IN tritt der Fortschreibung klassischer Lamenti und Erzählungen zur künstlerisch-gestalterischen Ausbildung entgegen. Sie knüpft vielmehr an neuere Diskurse an, an außerakademische wie akademische Entwicklungen, die die Hochschule und die Lehre etwa mit Blick auf die künstlerische Forschung, unter Bezug auf eine machtkritische Bildungsarbeit, auf die Genderforschung oder die postkoloniale Theorie diskutieren. TEACH-IN soll Fragen zum Kunst- und Gestaltungsstudium vertiefen und aktualisieren, soll institutionelle, psychopolitische und gesellschaftliche Settings ausleuchten, die Verfestigung von Strukturen sowie deren Veränderbarkeit.

Wie behaglich und unbehaglich Akademien sind und welcher Art von Gehäusen sie ähneln, Turnhallen oder Häusern mit Vorhängen statt Wänden, fragen sich Martin Fritz und Stephan Dillemuth im vorliegenden ersten Heft der Reihe. Nicht nur in diesem Gespräch, sondern auch bei Kathrin Busch und Helmut Draxler scheinen die Bologna-Reform und die Frage danach auf, ob man Lehre lehren beziehungsweise erlernen kann. Heidi Herzig, Hannah Horst und Ronald Kolb nehmen die Perspektive Studierender wie Lehrender ein und debattieren über diverse Aspekte der Ausbildungsfinanzierung, der Autorschaft und der Praxis zwischen Fabrikarbeit, Gestaltungsjobs und Lehre. Eva Maria Stadler gibt Michael Dreyer Auskunft über die Kontinuitäten des in den 1980ern gegründeten Bereichs „Kunst und Wissenstransfer“ an der Universität für angewandte Kunst Wien. Den Abschluss dieses ersten Hefts bildet ein Gespräch zwischen Johanna Schaffer und Diedrich Diederichsen aus dem Jahr 2011 über dessen in den frühen 1990ern eben an der Merz Akademie begonnene Lehrpraxis im Sinne von Artistic Research avant la lettre.

(Aus: Michael Dreyer – Editorial, TEACH-IN, Nr. 1)